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  • Gepostet am 19. Februar 2022
  • Autor/-in: © Ute M.

GUCK KUCk – Augenmaß!

GUCK KUCk – Augenmaß!

Familie KUCK wundert sich über Tim’s Frage,
„Was haben beide gemeinsam:

Anerkennung und Toilettenpapier?“

Caroline, die jüngste rümpft die Nase. Ihr Bruder Tim grinst von einem Ohr zum anderen. UMA versucht freundlich, ernst die Contenance zu bewahren und KURTI poltert los: „Zu viel von beidem, verstopft etwas.“

Tim guckt seinen Vater KURTI verdutzt an: „Anerkennung verstopft?“ KURTI versucht sich in Erklärungen wie: „Na, Verweichlichung. Pampern, schleimen. Einfach! Denken wird verstopft. Kritikfähigkeit entwickelt sich nicht altersgerecht. Kennt Ihr doch. Der gesunde Menschenverstand geht verloren.“

UMA lacht, und guckt zu den Kindern: „Versteht Ihr das?“

„Was ist ein Menschenverstand?“, fragt Caroline noch unwissend, wenn unbekannte, neue Wörter ihr Gehirn streifen. Alle gucken sie nachdenklich an, scheinbar nach Worten ringend. Allgemeine Ratlosigkeit. Keiner weiß so recht, wie dieser Sachverhalt kindgerecht erklärt werden könnte.

UMA ergreift das Wort: „Stell dir vor, wir sitzen bei Tisch. Wir loben Dich, weil du schon sehr geschickt mit Messer und Gabel essen kannst. Dann freust Du Dich.“

Caroline nickt heftig mit ihrem strubbeligen Köpchen, und dem ersten selbst gebundenen Pferdeschwanz, dessen Haarspitzen ihre Augen von links nach rechts bedecken: „Das ist ja auch schwer.“

„Siehst Du, je mehr das auch andere bei Dir anerkennen, Dich dafür loben, je mehr freust Du Dich. Deine Freude ist Dein Motor, weiter zu üben, weiter und weiter. Irgendwann kannst Du es. Jedes Lob auf den Weg dahin, das ist Anerkennung.“

„Ja, Anerkennung. Opa hat mir das erklärt. Das weiß ich längst. Aber ab wann mein Menschenverstand verloren geht, das hat er mir nicht gesagt.“

KURTI schaltet sich ein: „Liebes, Dir geht gar nichts verloren. Das ist eine Redensart. So, als wenn ich sage, dass das Wort Bitte ein Zauberwort ist.“

„Ach so, ich muss lernen, wann ich loben sage?“

„So ungefähr. Du musst lernen, wann und wie Du jemanden richtig lobst. Wir müssen die richtige Menge für Anerkennung finden. Das nennt man Augenmaß.“
„Zählt Ihr das mit den Augen? Ich höre es mit den Ohren. Oder wiegt Ihr das wie beim Kuchen backen ab? Wie findet Ihr die richtige Menge mit dem Augenmaß?“

„Einmal loben, das muss reichen. Das ist die richtige Menge.“, fährt Tim kühl dazwischen.

„Dann verliere ich jetzt meinen Menschenverstand?“, und ein Tränchen kullert über ihre Wangen. UMA nimmt sie in den Arm. Caroline befreit sich laut schluchzend aus dieser, stampft mit ihren Beinchen wütend auf den Boden: „Gestern bin ich fünf mal dafür gelobt worden. Jetzt verliere ich meinen Verstand. Was ist überhaupt Menschenverstand?“

Tim: „Gezählt hast Du gestern? Was hast Du gezählt? Wie oft Tante Sunny „Gut gemacht“ zu Dir gesagt hat? Die übertreibt doch immer.“

„Oh, jeh!“, prustet KURTI, und guckt seinen Sohn kopfschüttelnd an.

„Siehst Du! So schlimm ist es mit mir. „, und Caroline schluchzt angesichts des Verlustes ihres Verstandes, obwohl ihr unklar ist, was das genau sein könnte. Sie weint. Die Großen stehen ratlos um sie herum und versuchen sie zu trösten. Tim bietet ihr seine Gummibärchen an. Caroline schluchzt noch lauter. Plötzlich lässt Tims Frage sie verstummen: „Wie kommst Du auf fünf mal loben?“ „Na Ihr drei, und Sunny, Ben, Babette, Luk, Atze.“ „Stop. Das sind acht.“ „Huh! Huh….

Tim kniet sich zu ihr herab: „Warum weinst Du?“ „Jetzt verliere ich noch mehr Verstand. Ich kann nur bis fünf zählen. Und Du sagst, es war acht mal. Ist das jetzt noch schlimmer?“ „Schwesterherz! Du hast von jedem nur einmal ein Lob bekommen. Das ist völlig in Ordnung!“

Caroline guckt ihn ungläubig an. „Jeder darf mich einmal loben? Ist das Augenmaß? Egal wieviele Menschen das zu mir sagen?“

„Ja! Ist jetzt wieder alles in Ordnung?“

„Wo ist das Maß für die Augen?“, fragt sie neugierig ihren Bruder“

„Was?“

„Das Augenmaß!“

„Das ist eine Redensart.“, antwortet Tim etwas genervt.

„Anerkennung und Toilettenpapier haben etwas gemeinsam, ist auch eine Redensart?“

„Das sollte ein Witz sein..

„Komischer Witz. Keiner lacht.“

„Wenn sie nicht richtig benutzt werden,
geht’s bei beiden daneben. Kannst Du jetzt lachen?“

„Daneben?“, grübelt Caroline. „Beim Toilettenpapier verstehe ich das. Aber bei Anerkennung? Anerkennung ist loben. Das verstehe ich. Warum verliere ich meinen Verstand? Zu viel Lob? Was geht daneben?“

KURTI lächelt und sagt müde: „Beim Toilettenpapier merkst Du es sofort. Bei zu viel Anerkennung merkst Du es erst viel, viel später.“

„Der Menschenverstand geht später verloren? Wann?“

UMA: „Wer zu viel gelobt wird, für jede Kleinigkeit, könnte es im Leben später schwer haben. Das ist wie die Geschichte mit den gebratenen Rosinen.“

Caroline nickt wissend: „Das Allzuleichte macht Menschen schwach.“

„Wenn Menschen gar nicht gelobt werden, ist das genauso schlimm.“

„Werden sie auch schwach?“

„Sie werden unzufrieden. Das heißt auch, sie werden verbittert. Sie können sich kaum noch freuen.“

„Ach so, so wie der Brummbär Kürbis. Heute früh rannte er raus. Die Haustür knallte er mir vor der Nase zu. Guten Tag sagt er auch nie. Ist er zu wenig gelobt worden?“

„Du meinst Höflichkeit.“, sagt Tim. „Tim, Du weißt noch nicht mal , warum ich mit zu viel Lob den Verstand verliere. Also lob mich nicht. Gut ist’s!“

„Wie würdest Du es finden, wenn wir Dich wirklich nicht loben würden?“
, fragt KURTI.

„Blöd!“ „Siehst Du. Es ist schwierig, die richtige Menge zu finden. Und weil das so ungenau ist, wie bloß mit den Augen zu messen, heißt das Augenmaß. Keiner kennt die richtige Menge.“

„Du auch nicht?“

„Ich auch nicht. Einmal Lob von jedem finde ich gut. So wie Tim das gesagt hat.“

„Hört! Hört! Wir müssen jetzt aufpassen. Jeder darf Caroline für etwas nur einmal loben!“, witzelt Tim.

Alle lachen entspannt, und Caroline lacht mit. „Prima! Ich behalte meinen Verstand. Tim, wenn ich Dich zweimal lobe, verlierst Du dann Deinen Verstand? Oder wie geht das?“

„Das mit dem Verstand ist eine schwierige Sache. Einmal loben ja. Aber mehr bitte nicht, das ist dann schleimen, pämpern oder verwöhnen. Wenn das zu viel ist, geht’s im Leben nachher daneben. Wann, das erkläre ich Dir ein andermal.“

„Tim, das hast Du nett, nett, nett, nett …huh, huh, mein Eis ist runter gefallen.“

„Hättest Du…“ „Hört auf ihr Streithähne. Sucht lieber das Regal mit dem Toilettenpapier. Hier drin dürft ihr sowieso kein Eis essen. Woher hast Du das Caroline?“, sagt ihre Mutter mit erregte Stimme, und sieht betroffen nach rechts und links, ob das jemand mithört. „Das war im Einkaufswagen.“, sagt Caroline unbekümmert.

„Nein! Das müssen wir erst bezahlen. Das weißt Du doch. Oder hast Du völlig den Verstand verloren? „, regt sich UMA nun auf.

„Ich verstehe Euch nicht. Zuerst lobt ihr mich zu viel. Dann will ich das mit Tadel wieder gut machen. Ich will meinen Verstand behalten. Jetzt schimpft Ihr. Ob ich völlig den Verstand verloren habe? Was ist Verstand? Wie kann ich ihn verlieren? Keiner weiß es richtig.“

UMA: „ Du willst mit Tadel ein Lob auslöschen? Was geht in Deinem Kopf vor?“

„Frau Tolle im Kindergarten sagt immer zu uns. Wenn mal etwas nicht klappt, irgendwann wird es klappen. Sie sagt, ein Lob löscht alle Tadel aus. Ihr habt mich gestern zu viel gelobt. Acht mal. Die muss ich auslöschen.“

„Caroline, das waren nicht zu viele Lobe. Jeder von den acht Menschen hat Dich nur einmal gelobt“, wiederholt Tim lautstark.

„Mama ich hatte Hunger. Entschuldige! Ihr habt so viel gesagt. Ich wollte es wie im Kindergarten machen. Nur umgekehrt. Ich wollte mit dem Tadel das Lob weg machen.“

Caroline dreht sich um, grinst ihren Bruder an und flüstert ihm ins Ohr: „Blödsinn! Nur einmal loben dürfen!“

„Zu viel Lob macht schwach. Das Schwierige macht Dich stark.“ sagt Tim, um sie zu ärgern. „Nein, nicht weinen Caroline. Das war ein Witz.“

KURTI nimmt beide in den Arm: „Seht es positiv. Wir loben mit Augenmaß. In Ordnung? … Handschlag!“

© Ute M.
16. Februar 2022

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