Biogeaphien
  • Gepostet am 13. Juni 2022
  • Autor/-in: © Ute M.

KUCKs Gedanken zur Fernsteuerung – # 2

KUCKs Gedanken zur Fernsteuerung – # 2

 

„Wie meintest du es denn? So ein Gerät neu, es kostet mich fast zwei Rentenmonate.“

„Hä?“, grunzt Tim und guckt sie verständnislos an.

„Ha, ha, müsstest du sagen. Viel zu teuer, denn das sind wie zwei Monatsgehälter deines Vaters. Und du hast dein Handy auch nicht selbst verdient, oder?“

UMA betritt den Raum, lächelt ihren Sohn an: „Prima, wenn man keine Geldsorgen hat. Nicht wahr Tim?“ Tim geht leicht verärgert aus dem Zimmer. KURTI kümmert sich währenddessen um SUNNYs Handy.

„Sunny, ist das für dich nicht zu kompliziert, extra übers Handy dann auf deinem Tablet alles zu verwalten?“

„Augen! Augen! Die Augen machen nicht mehr mit, KURTI. Und die Technik ist halt so, einfach kompliziert für mich. Ich muss trennen. Das Handy ist mein Telefon, mehr nicht. Seh das kleine Zeug nicht. Und das Tablet ist mein Lesegerät. Aber das versteht mein Handy oft nicht, oder irgendeine Fernsteuerung kapiert das nicht. Hindernisse aus dem Nirwana machen es mir nicht leicht.“

UMA lacht herzhaft. „Woher soll das Tablet wissen, dass es nur dein Lesegerät ist?“

SUNNY fühlt sich unverstanden. Ihre Geduld steht kurz vor der Zerreißprobe.

Sie überlegt, alles einzupacken, nach Hause zu gehen und, ja sie überlegt, sucht gedankenverloren, wer ihr sonst noch helfen könnte. Es fällt ihr keiner und keine ein. Fast hilflos fühlt sie sich nun fremder Hilfe ausgesetzt. Genauso hilflos, wenn sie die technischen Kommandos auf ihrem Handy liest: „Passwort für …“

„Sunny! Ich will dir helfen. Ich warte.“, erinnert sie KURTI.

Gedankenverloren denkt sie: „So wie die Bank? Die Telefonistinnen, welche sich immer dumm stellen, solange die ID fehlt. So als wenn ich ein Nichts wäre, mit Namen. Mein Name ist ein Nichts geworden. Wie sie dann noch kalt sagen, woher sollen wir wissen, wer uns anruft? Egal wen ich anrufe, sie wollen selten nur noch meinen Namen. Nein! Jede Bank, fast jede Firma, sogar Behörden jetzt, viele verpassen mir einfach eine Verwaltungsnummer, und nur mit ihr kann ich mit denen, mithilfe der vergebenen Verwaltungsnummer kommunizieren. Suchen, suchen, wer wohl welche Nummer hat. Oft finde ich sie gar nicht mehr. Service ansonsten unmöglich? Soll ich immer einen Ordner mit irgendwelchen firmeneigenen Passwörtern, irgendwelchen Identifizierungsnummern mit mir herumschleppen? Was für eine Welt ist das hier geworden? Woanders gibts nur eine Nr. Doch, ob das besser ist als mein Name? Verantwortung wird mehr und mehr auf den Einzelnen, die Einzelne abgewälzt. Wann war das, als die Kundin Königin war, umworben wurde? Heute werden nur noch allgemeine Anreize vergeben, und danach mit einer ID verknotet. Was soll das? Ich habe einen Namen.“

„Beruhige dich Sunny.“, hört sie wie von Ferne UMA.

„Ich will mich nicht beruhigen. Jeden Tag erlebe ich solchen Mist. Wie ein Verwaltungsakt, wie eine Nummer werde ich behandelt, und wenn ich irgendein Passwort nicht kenne, bin ich ruck zuck ein Nichts. Ein Nichts bin ich, verstehst du UMA? Ich, die ein Leben lang hart gearbeitet hat. Ich werde plötzlich ein Nichts, eingeordnet von einer Maschine. Ein Computer bearbeitet mich. Ein Nichts will mich zum Nichts bearbeiten, wenn ich ich nicht Tür, was die Maschine will. Entweder ich gehorche, oder ich werde ignoriert. Von einem System, das vielleicht nur halb so alt ist wie ich. Ich lebe doppelt solange wie dieses System. Und dieses System will mir jetzt vorschreiben, ohne Nummer läuft nichts mehr?“

„Sunny! Das sind Hilfsmittel.“

„Die helfen meine Nerven blank zu legen. Ich bin Mensch. Ich bin doch keine Aneinanderreihung von Befehl und Gehorchen! Das macht mich fertig. Das finde ich unwürdig. Das geht zu weit. Das System entscheidet, das System eines Maschinenparks. Zu viele Maschinen, zu viele Geräte wollen etwas von mir. Jeder stellt sein firmeneigenes System in den Mittelpunkt. Nur mit seiner von der Firma vergebenen ID darf ich noch mein gekauftes Gerät bedienen? Ich fühle mich gegängelt. Fernbestimnt! Abfragen derer IDs, das ist mir zu viel. Zu vielen Nummern, Passwörter. Und dann die Geräte. Immer wieder neu. Dieses neu. Jenes neu. Wie ein Mixer fühlt sich mein Gehirn mitunter an. Hinterher weiß ich wirklich nichts mehr. Letzten Freitag konnte ich noch nicht mal mehr einkaufen gehen. Kühlschrank leer und Kartennummer vergessen. Bankfilalen gibts von meiner Bank nicht mehr. Meine Nachbarin hat mir etwas Bargeld ausgeliehen, obwohl ich das nicht nötig hätte. Wie gut, dass es noch das Bargeld gibt. Kennst du das Buch – Germany 2054.  Das habe ich jetzt noch besser verstanden. Einmal erleben, durchleben, wie es ohne finanzielle Mittel, ohne Bargeld, ohne Freiheit ist. Horror.“

„Bei kleinen Beträgen brauchst du bei Kartenzahlung keine Nummer.“

„Nein? Aber, schon wieder soll irgendeine Karte abgeschafft werden. Schon wieder etwas Neues. Ich ärgere mich über dieses zu viel fordern. Zu viel Erwartungen an uns Verbraucher. Ich bin doch keine Schachfigur. Aber wenn ich nicht pariere, kann ich verhungern?“

„Nein. Du ärgerst dich, weil du von Unsichtbarem ausgebremst wirst, das ist glaube ich.“

„Ich darf nicht an mein Konto. Ja das ist ausgebremst. Ich will Bargeld. Ich will frei bleiben. Selbst bestimmen. Soll ich für ein paar Brötchen mit Karte bezahlen? Aufpasser rund um mich? Reicht schon, dass für die blöden Kassenzettel so viel Bäume sterben müssen. Bäcker, diesen Kleinkram, den beahle ich doch nicht mit Karte, oder ein Eis. Auch sonst zahle ich das fast nie mit Karte. Nein, ich muss Geld greifen, einteilen, haushalten, damit ich am Monatsende wei0, was Sache ist. Ich mag den Papierkram, oder Computerkram nicht. Ich gehe lieber spazieren. Ich verwalte mich selbst.“

„Quatsch! Das ist dein Ernst?“, sagt UMA etwas erstaunt.

„Doch, mich regt schon dieses Plastikzeug auf. Der Magnetstreifen, wie oft der schon nicht funktionierte. Mit Bargeld kam ich dann raus aus dem Dialemma. Weißt du wie peinlich das für mich war. Oder die Karte, wie oft ich die schon verloren habe, dieses kleine rutschige Etwas. Die Karten von dem, und jenem. Wie dick soll denn mein Portemonnaie sein, wenn ich alle Karten mitschleppe. Reicht schon mit Ausweis, Krankenkassenkarte, Türschlosskarte  usw. aus dem Haus gehen zu müssen. Wenn ich die Karten verliere, was dann? Ohnmacht total. Bei Geld ist das nicht so schlimm, wenn etwas weg ist.“

„Und einem Handy, das nicht funktioniert, das ist schlimm?“, meldet sich Caroline zu Wort.

„Richtig. Demnächst kann ich dann noch nicht mal mehr Bus und Bahn fahren. Grauselig der Gedanke, dann ausgegrenzt zu werden. Und im Sommer mit so einem Mantel mit vielen Kartentaschen rumlaufen zu müssen? Ne, ne, bloß nicht. Das ist so ein Horror wie die Verwaltung mit den blöden vielen Passwörtern. Ich bin doch kein Büromonster! Was machen nur die Menschen, die sehbehindert sind?““

„Sunny dein Handy läuft wieder. Ich brauch jetzt nur noch dein Passwort für.“

„Hier ist mein Ringbuch. Such dir ein Passwort aus. Ich blick da nicht mehr durch.“

KURTI blickt fast entsetzt: „Sunny! Ich brauche nur eins, das von deinem Anbieter. Deinen Gerätecode hast du auf’s Handy hinten drauf geschrieben. Den habe ich gefunden. Aber wo ist der von deinem Anbieter?“

„Anbieter! Welchen Anbieter? Ich habe viele Anbieter.“

„UMA, ich glaube, wir trinken mal erst eine Tasse Kaffee.” , und nach und kitzelt KURTI die Informationen aus Sunny heraus, die er für die Neuinstallation des Handys benötigt. Und irgendwann läuft das Handy tatsächlich. Sunny ist ganz glücklich, dass sie nun auch ihr Tablet wieder als Lesegerät benutzen kann.

„KURTI, danke. Komisch nur, das hatte ich alles schon einmal gehabt. Der Sohn meines Nachbarn hatte es mir eingerichtet. Dann kamen Fehlermeldungen, kein Netz usw. und dann immer die Fragen nach Code oder Passwort. Wie an einer Hundeleine fühle ich mich geführt. Ich fühle mich fast wie ferngesteuert, manchmal jedenfalls. Dann, wenn ich dies oder jenes nicht weiß, wenn ich wie ein Nichts behandelt werd. Diese ferngesteuerten Maschinenstimmen. Das macht mich so langsam wütend,“

UMA sagt zu Sunny: „Das ist doch ganz leicht. Du notierst deine Codes, Gerätenummern, Passwörter hier im Handy. Komm ich zeigs dir.“

KURTI wendet ein: „Geht nicht. Der Akku ist leer. Er scheint sich schnell zu entladen. Er ist vielleicht zu alt.“

Tim: „Hast doch Sunny gehört. Ihr Handy ist nicht zu alt.“

„Sagt Sunny.“

„Ha, sagt Sunny! „, meldet sie sich energisch zu Wort.

„Schön, dass es jetzt wahrscheinlich funktionieren wird. Das was man dazu wissen muss, wenn es abstürzt, das ist mir einfach zu viel. Ich bin kein Computer. Manchmal weiß ich nicht mehr, was zu was gehört, welche PIN, welcher Code, welcher Begriff usw.. Zweitens, wenn ich dann das Handy verliere, dann bin ich wieder ein noch größeres Nichts? Denk mal dran, wie es dir erging, als deine Tasche weg war. Weg mit Handy und Ausweis.“

UMA: „Erinner mich nicht daran!“

„Du hattest wenigstens noch deinen Schüssel. Deshalb habe ich mein Ringbuch. Das ist wie mein Schlüssel inzwischen, Schlüssel, um telefonieren zu können. Mehr will ich nicht. Aber du siehst. Es werden zu viele Passwörter. Viele Firmen machen sich einen schlanken Fuß. Der Endverbraucher soll alle Firmenkontakte mit Extra Pins selbst verwalten, so wie das gerade in jedes eigene Verwaltungssystem  verwaltungsmäßig hineinpasst. UMA, das überfordert mich.

Ich werde für diese Arbeit des Verwaltens nicht bezahlt. Bin ich Kunde, oder bin ich als Kunde schon angestellt? Bei Firmen, unbezahlt? So wie ich an Supermarktkassen durchgescheucht werde. Dafür bekomme ich auch kein Geld. Servicewüste überall. Das Beste, sogar Kunden benehmen sich manchmal wieAngestellte und scheuchen mit.“

TIM hörte die letzten Wortfetzen, umarmt seine Tante: „Schade Tantchen, dass wir nicht in Estland leben. Dann hättest du es leichter.“

„Tim, gar keine so schlechte Idee. Vielleicht sollten wir im Urlaub mal dort hin reisen. Es soll dort sehr schön sein.“

„Gute Idee, Sunny! Dann kannst du selbstbestimmt ohne Fernsteuerung leben. Dort wirst du nicht andauernd gefragt: Passwort? Code? Pin? Gerätecode? Nutzername? Username?“

„Aber! Aber, ich brauche mein geliebtes Bargeld, Tim. Erst dann fühle ich mich frei. Oder sagen sie dort auch, dass schon nach 7 Jahren ein Handy, ein Gerät zu alt ist? Oder noch raffinierter, bremsen Sie uns im Alter mit Serviceleistung Stück für Stück aus,? Zuerst geht dies nicht, dann jenes  nicht, wenn du du es willst, sollst du neu kaufen oder sie verringern den Komfort. Sie leisten nicht. So empfinde ich manches, wenn dies und jenes nicht funktioniert, und sie schließlich keine Update mehr anbieten usw?“

„Tantchen!“ „Nenn mich nicht Tantchen.“

„Gut. Mach ich nicht Tantchen. Sunny, liebste Sunny, digitale Dienste stellen andere ab. Die sitzen irgendwo, weit weg, sie steuern tatsächlich fern, wie du es nennst.“

„Also doch ferngesteuert. Wußte ich es doch. Unbekannte Rechenmaschinen sagen mir, was ich tun soll. Ich will, und nicht ich soll! Sollen se mich doch mal. Vielleicht muss ich wirklich woanders hin, wo das Leben leichter ist.“

„Auf eine Insel?“

„Hör auf Tim. Mir reicht es für heute. Tschüss! Aber eine Insel? Der Gedanke könnte mir schon gefallen. Und Urlaub, das ist immer gut.  Der ist drin. Jetzt aber endgültig tschüss!“

©️Ute M.

07. Juni 2022

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