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  • Gepostet am 23. Dezember 2020
  • Autor/-in: © Ute M.

Märchenhafte Begegnung, 2: ,Reisender Planet‘

*) Fortsetzung 2

Märchen

Reisender Planet

Die Kaiserin sonnt sich in Goldbergen. Sie ist so geblendet, dass sie nicht bemerkt welche Geschäfte ihr Volk mit den Ichganzern betreibt. Der Spitzname Ichganzer paßt immer besser zu dieser Gruppe Grammolinger, denn diese Gierhälse denken nur an ihren eigenen Vorteil. Sie sind auf der Jagd nach Land. Die Wünsche, Träume und Gefühle der übrigen Grammolinger ist Ihnen in Wirklichkeit. Deren Wünsche, gut leben zu können, drehen sie so um: „Verkauft uns Euer Land. Dann braucht ihr nicht mehr schwer arbeiten.“

Etliche Grammolinger sind nämlich durch frühere Großzügigkeiten des Vaters der Kaiserin inzwischen bequem und vergnügungssüchtig geworden. Die meisten Grammolinger arbeiten jedoch noch immer fleißig auf ihrem vom Kaiser geschenkten Land zufrieden und gerne. Diese sind für die Ichganzer uninteressant, denn sie verkaufen ihr Land nicht. Aber die etlichen, die noch besser und leichter leben wollen, düse verkaufen gerne ihr Land an die Ichganzer.
Die faulen Grammolinger überzeugen die Versprechen der Ichganzer. So brauchen sie nicht mehr im Frühjahr säen, im Sommer nicht mehr gießen oder Unkraut jäten, und im Herbst brauchen sie die vielen Früchte nicht mehr einkochen, haltbar machen, damit sie im Winter genug zu essen haben. Landarbeit ist ohne Maschinen nämlich sehr schwer. Ohne Land wollen etliche Grammolinger also sorgenfrei leben. Das glauben sie.

Es gibt aber auch nich Grammolinger, die unter der Herrschaft der Kaiserin nicht mehr für jedes neu geborene Grammolinger Kind von der Kaiserin Land geschenkt bekommen. Das verkauft sie lieber gegen Goldtaler.
So kommt es, dass Neugeborene nach und nach nicht mehr von der alten Landgröße leben können, weil die gleiche Größe Land nun nach und nach immer mehr Menschen ernähren muss.
Der alte Wohlstand löst sich auf. Immer mehr Grammolinger arbeiten bei fremden Leuten für ihr Essen, und verkaufen aus Not oft auch noch ihr ererbtes kleines verbliebenes Land.

Die Ichganzer freut das. So kommen Ichganzer schnell und einfach zu immer mehr Landbesitz. Sie werden aber auch immer reicher. Sie verleihen ihr Geld an die verarmten Grammolinger. Dafür bekommen die Ichganzer Zinsen. Durch die Zinsen werden die Ichganzer noch reicher.
Die Ichganzer sind schlau. Sie verleihen nur Geld, wenn sie als Gegenleistung für die geliehenen Goldtaler Land als Sicherheit erhalten. Das Land wollen die Ichganzer gerne, falls die Notleidenden das geliehene Geld nicht pünktlich zurückzahlen.

Land, Land, Land, das wollen Ichganzer!

Es ist das Land, das die Kaiserin nach dem Vermächtnis Ihres Vaters eigentlich jedem Grammolinger zur Geburt schenken müsste. „Kaiser sollen nur verwalten!“, diese Worte ihres Vaters will sie nicht mehr hören. Sie lässt sich von Goldtalern blenden. Ihre Bevölkerung wird ärmer und ärmer.

Der Tausch von Land zu Goldtalern läuft perfekt. Eines Tages gibt es auf ganz Grammo nur noch sehr wenige reiche Grammolinger und sehr viele arme Grammolinger, aber auch drei unwahrscheinlich Reiche, das sind die Ichganzer.

Diese drei Ichganzer feiern bei der Kaiserin immer großartige Feste. Die Kaiserin hat zwar nur noch wenig Land, aber sehr viel Gold und Goldtaler zum Ausgeben für Feiern und für andere Annehmlichkeiten, wie Kleider, Schmuck, Massagen und ähnlichem. Sie lebt in Saus und Braus. Jeden Tag lädt sie neue Gäste auf ihre stabile Burg ein und läßt sich bewundern.
Sie verteilt ihren Reichtum nicht großzügig an ihre Untertanen, sondern verkauft fast den letzten Rest Land. Sie weiß nicht, dass dadurch drei ihrer Untertanen inzwischen sogar reicher geworden sind als sie selbst. Diese drei Reichen, das sind die drei Ichganzer, das sagen ihr sogar ihre Untertanen. Sie lacht nur, denn sie weiß nicht, was Ichganz bedeutet.
Die Kaiserin begreift noch immer nicht, was passieren kann, wenn sie nicht aufpasst. Sie kennt die Drei nur unter den Namen Wasser, Beweger und Kalt.
Diese drei Ichganzer, Wasser, Beweger und Kalt besitzen auf Grammo nun inzwischen fast den ganzen Planeten Grammo. Diese Gierigen Drei bestimmen inzwischen mit ihren Goldtalern vieles auf dem Planeten Grammo, was eigentlich die kaiserlichen Vorsteher in den Landkreisen für alle Grammolinger verwalten sollten.

Die Kaiserin bemerkt das heimtückische Treiben der raffinierten Ichganzer nicht. Sie feiert und amüsiert sich währenddessen. Auch dieses Mal, als die drei, der Wasser, der Beweger und der Kalt mit dünnen Aktenkoffern zu einer Feier erscheinen, und ihr die üblichen Komplimente und Geschenke machen, fühlt sie sich von den Dreien geschmeichelt. In guter Laune genehmigt sie ihnen schon wieder alles, was diese Nimmersatt ihr abluchsen.

Es hätte sie stutzig machen sollen, dass dieses Mal etwas anders ist als sonst. Sonst bringen die Drei zu jedem Fest dicke Koffer mit sehr, sehr vielen Verträgen mit, die die Kaiserin nach dem Essen immer gutgläubig unterschreibt, denn danach übergeben die Drei ihr normaler Weise immer viele Goldtaler. Wegen der vielen Goldtaler und der dicken Verträge sind ihre Aktenkoffer normaler Weise immer dick und schwer,
so dick und schwer, wie alles auf Grammo. Alles auf Grammo wird gewogen.

Doch heute ist alles anders. Die Taschen sind dünn und leicht. Die Verträge sind dünn und leicht, nur eine Seite, denn alle anderen Verträge aus den dicken Koffern lagern bereits in ihren Tresoren.

Heute geht es nur noch darum, wer darf was nutzen. Die Drei haben unter sich bereits alles heimlich aufgeteilt, ohne Wissen der Kaiserin. Sie war immer beschwipst, wenn sie unterschrieb. Statt am nächsten Tag nochmals die Verträge zu prüfen, lässt sie jedesmal den Papierkram in den Burgkeller bringen. Dort stapelt sich der Papierkram, denn so spricht sie über alle Verträge. Für sie ist Papier völlig unwichtig. Es ist ihr egal was drauf steht. Sie liest es nicht. Es ist ihr zu anstrengend. Ihr Gesicht sieht beim Anblick von geschriebenem Papier wie eine saure Zitrone aus. Sieht sie aber Goldtaler, dann strahlt und lacht sie. Sie kann gar nicht aufhören zu lachen. Wenn sie lacht, sieht sie sehr hübsch aus. Sie ist dann auch immer sehr freundlich zu allen auf der Burg. Ihre Gäste lieben ihren Charme, ihre Liebenswürdigkeit. Nur wenige wissen, dass ihre zur Schau gestellte Liebenswürdigkeit eigentlich unbekümmerter, naiver, gutgläubiger Leichtsinn ist.

Die drei Ichganz wissen das sehr genau, und wollen die Kaiserin mit deren Gutgläubigkeit hereinlegen. Sie schmieden den letzten Teil ihres Plans.

Der Ichganz Wasser will über das ganze Wasser auf Grammo bestimmen. Der Ichganz Beweger will alle oberirdischen Pflanzen und alle fliegenden Lebewesen verwerten. Ichganz Nunmehr drei, der Kalt, er will alles Unterirdische des Planeten Grammo nutzen. Grammo gaben sie dreigeteilt, in Wasser, oberirdisches und Unterirdisches.

Im richtigen Augenblick schieben die Drei der Kaiserin die dünnen Verträge, von nur noch einer Seite, unter ihr Weinglas. Bei guter Musik unterschreibt die Kaiserin gut gelaunt, nach einem festlichen Mahl, allen Dreien ihre Verträge, ohne auch nur eine Zeile zu lesen.

Am nächsten Morgen weckt die Kaiserin lauter Lärm, dort wo es so leise ist, dass sogar das Flügelschwingen der Schmetterlinge zu hören ist Sie geht zum Fenster, schimpft und ruft zu den Störenfriedern: „Verschwindet!“
Die Störenfrieder antworten: „Nein verehrte Kaiserin. Unser Herr hat uns befohlen, wir sollen ihr Brunnenwasser zu ihm legen.“ „Papperlapapp. Geht zu ihm und sagt ihm, das ist mein Wasserbrunnen.“

Eine Stunde später ist wieder Lärm vor ihrem Fenster, und sie ruft abermals nach draußen: „Verschwindet.“
Die Störenfrieder antworten: „Nein verehrte Kaiserin. Unser Herr hat uns befohlen, wir sollen ihm alle Bäume bringen. Er braucht Holz.“
„Papperlapapp. Geht zu ihm und sagt ihm, das sind meine Bäume.”

Gerade zur Mittagszeit fliegen viele Bienen um sie herum und summen: „Kaiserin! Unsere Bienenhäuser werden gestohlen.“ Die Kaiserin geht ans Fenster und ruft hinaus: „Diebe! Verschwindet!”
Die vermeintlichen Diebe antworten: „Nein verehrte Kaiserin. Unser Herr hat uns befohlen, wir sollen ihm alle Bienenstöcke und alles Blühende bringen.” „ Papperlapapp. Geht zu ihm und sagt ihm, das ist mein Garten. Das sind meine Pflanzen, das sind meine Bienen.”

Sie dreht sich um und sieht draußen am Tor viele Leute mit Schaufeln und Spaten graben. Gereizt schreit sie: „Verschwindet!“
Die Grabenden antworten: „Nein verehrte Kaiserin. Unser Herr hat uns befohlen, wir sollen hier nach Gold und Kohle buddeln.“ „Papperlapapp. Geht zu ihm und sagt ihm, das ist hier alles mein Grund und Boden.”

Am Nachmittag dröhnt Ihr Schnurhorn. Mit dem Schnurhorn kann sie so sprechen wie Menschen später auf der Erde am Telefon. „Guten Tag, werte Kaiserin. Hier ist Ichganz Wasser.“
„Was heißt Ichganz?“
„Wissen Sie nicht mehr? Gestern amüsierten Sie sich als Sie mir sogar einen Orden Ichganz verliehen haben. Sie gaben ihn mir ganz offiziell diesen Titel Ichganz.“
„Was? Ich gab Ihnen diesen Titel? Und der bedeutet was?“
„Verehrte Kaiserin, Sie erklärten Ich ganz alleine darf nun alles.“
„Was? Sie dürfen alles? Das bedeutet dieser Titel?“, wiederholt sie ironisch. „Selbstverständlich“, sagt der Ichganz sehr ernst, „Sie haben mir die Erlaubnis gegeben, dass ich über das ganze Wasser auf Grammo verfügen darf.“
„Aber doch nicht über das Wasser auf meinem Kaiserboden.”
„Sie haben unterschrieben. Ich darf alles. Ich ganz alleine. Ich ganz.“

Sie wirft das Schnurhorn erzürnt auf den Tisch. Schon wieder dröhnt das Schnurhorn. Sie nimmt ab:„Hier ist Ichganz Beweger.“ „Guten Tag, werte Kaiserin. Gestern haben Sie mir den Titel Ichganz verliehen!“
„Sie sind jetzt schon der zweite Geammolinger, der mir so einen Blödsinn erzählt.“
„Ja, verehrte Kaiserin. Sie gaben mir den Titel. Sie haben mir die Erlaubnis gegeben, dass ich über alle Pflanzen auf Grammo verfügen darf.”
„Aber doch nicht über die Pflanzen auf meinem Kaiserboden.”
„Sie haben unterschrieben. Ich darf alles. Ich darf sogar über alle Bäume und über alle fliegende Lebewesen verfügen. Alles Oberirdische darf ich ganz alleine nutzen. Ich ganz!“

Die Kaiserin merkt, dass sie eine Dummheit begangen hat. Schon wieder dröhnt das Schnurhorn: „Guten Tag, werte Kaiserin. Hier ist Ichganz Kalt.“
„Der Titel, den ich Ihnen gestern gab?“, antwortet ironisch die Kaiserin,
„Ja, verehrte Kaiserin. Sie haben mir auch die Erlaubnis gegeben, dass ich über

*) Fortsetzung drei folgt

 

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